Semmering Adventure Trailrun

Tempo und Grundlage habe ich – für meine Verhältnisse – recht brav über die Wintermonate im Keller trainiert, Höhenmeter meist laufend am Plabutsch. Wie effektiv das Training war und wie „stabil“ mein Kopf über längere Bewerbseinheiten ist, lässt sich aber nur bei einem Bewerb feststellen. Nach der covidbedingten Bewerbsabstinenz habe ich mich daher gleich über die längste Distanz, dem „6 h Endurance“ angemeldet.

Dabei gilt es einen Rundkurs möglichst oft zu laufen, wobei die letzte Runde innerhalb von sechs Stunden beendet sein muss. Start und Ziel ist am Zauberberg Nähe Semmering, direkt bei der Bergstation und hat laut Veranstalter eine Länge von 7km mit 400 Höhenmeter. Google-Maps (8,2km mit 440Hm ) und meine GPS-Aufzeichnung (8,1km 451Hm) weisen jedoch deutlich mehr auf.

Das Warten auf den Startschuss mit FFP2-Masken und Abstand war etwas ungewöhnlich, aber zum Glück durften wir die Masken nach dem Überqueren der Startlinie wegwerfen :-)

Gleich nach dem Start geht es gar nicht so wenig anspruchsvoll bergab: feuchter Waldboden, viele Wurzeln, immer wieder Matsch. Ich versuche an zweiter Stelle dem Führenden zu folgen und habe gerade bei den technisch anspruchsvollen Abschnitten große Mühe das Tempo zu halten. Beim ersten Anstieg mit rund 250Hm kann ich den leichten Rückstand wieder wegmachen und liege kurz auch in Führung. Am Erzkogel angekommen sind wir nahezu gleichauf. Danach geht es um den technisch sehr anspruchsvollen Sonnwendstein: rutschig, schräge Singletrails, immer wieder liegende Baumstämme. Ich kann bzw. möchte das Tempo nicht mithalten und bin rund 200m hinter dem Führenden. Ich müsste zu viel Risiko nehmen – ein falscher Schritt und der Bewerb wäre bei Halbzeit der ersten Runde zu Ende. Die zweite Hälfte der ersten Runde, eine leicht abfallende Forststraße, ist technisch sehr leicht zu laufen. Mir war klar, dass ich zu diesem Zeitpunkt unbedingt aufschließen muss. Nur so kann ich meine Motivation hoch halten und meinen Kontrahenten etwas in seiner Taktik stören. Ich erhöhe mein Tempo auf 3:40/km und kann aufschließen. Den letzten Anstieg vor dem Ende der ersten Runde, gute 100Hm, nehmen wir Kopf an Kopf in Angriff. Ich erhöhe nochmal mein Tempo und gehe mit dem Puls für eine Minute etwas über meine Schwelle. Ich wusste, dass das Rennen für solche Spielereien noch zu früh ist, aber so wollte ich zeigen, dass man mich nicht mit hohem Tempo über kurze Zeit, sondern nur über die lange Dauer abhängen könne.

Am Ende der ersten Runde angekommen hatte ich einen Vorsprung von rund 50m und legte meine Taktik fest: Die zweite Runde noch einmal sehr hohes Tempo laufen und etwas mehr Risiko bei den technischen Abschnitten nehmen mit dem Ziel, außerhalb der Sichtweite meines Verfolgers zu sein um die Runden danach an der Schwelle laufend den Vorsprung zu halten. Sollte er doch an meinen Fersen bleiben wären meine Optionen ohnedies begrenzt: ich könnte dann nur mehr deutlich über meiner Schwelle laufen, was aber nach drei, vier Stunden auch Krämpfe und eine Aufgabe bedeuten könnte.

Aber so kam es nicht – mein Plan ging auf. Am Ende der zweiten Runde lief ich den kurzen Anstieg ohne Verfolger hinauf und hatte somit einen Vorspruch von zumindest drei Minuten. Die nächsten Runden lief ich wieder im vernünftigeren Tempo und gab auch wieder mehr Vorsicht bei den technischen Abschnitten. In der vierten Runde bekam ich die Information, dass mein Verfolger rund zehn Minuten hinter mir sei. Meine Überschlagsrechnung ergab – unter der Annahme mein Tempo halten zu können – dass ich die fünfte Runde nach ziemlich genau fünf Stunden und ein paar Minuten beenden würde. Bedeutete also, dass ich mich nicht auf eine sechste Runde einlassen müsste, weil es sich ziemlich sicher nicht für mich, aber noch wichtiger ganz sicher nicht für den Zweitplatzierten, ausgehen könne. Die fünfte Runde konnte sich somit ganz gut genießen und als Gesamtsieger nach 5:00:44 bzw. nach 40,6km mit 2.259Hm (lt. meiner Uhr) beenden.

Ergebnis
1. Alexander Mai, 5 Runden, 5:00:44
2. Martin Krumböck, 5 Runden, 5:07:37
3. Daniel Lödl, 5 Runden, 6:59:05 (er und alle anderen Läufer „DNF“, da Mindestzahl von 5 Runden nicht erreicht)
RundenzeitenDiverse Statistiken
1. Runde 53:50
2. Runde 54:53
3. Runde 59:30
4. Runde 1:05:24
5. Runde 1:07:14
Puls Ø 159
Puls max 174
Pace Ø 7:25
Pace in Bewegung 7:15
Schrittlänge Ø 0,94m
jetzt ist es amtlich :-)
Ausrüstung
Schuhe: Salomon „S/Lab Sense 8“ (Noppen 3mm, Sprengung 4mm, Gewicht 195g)
Uhr: Garmin „Fenix 6 pro“

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