Kalser Tauern Trail

Im Rahmen des Grossglockner Ultra-Trails mit seinen 110 km und 6.500 Höhenmeter wurde die zweite Teilstrecke (von Kals nach Kaprun) als eigener Bewerb ausgetragen. Der Kalser Tauern Trail hat somit „nur“ 48 km bzw. 2.000 Hm. Eigentlich war mein Plan für heuer, über die volle Distanz zu laufen, aber durch meine Achillessehnen-Entzündung seit Feber waren die Trainingsumfänge zu wenig. Das hat meine Teilnahme am Hochkönigman gezeigt: da ging es über die 84 km noch gut, aber der Grossglockner Ultra-Trail ist dann nochmal eine Nummer größer…

Fünf Minuten vorm Start

So stehe ich also mit gemischten Gefühlen am Start: irgendwie für den Kopf eine halbe Sache und vom Bauch sehr viel Respekt, weil die Wettervorhersage und letzte Info vom Veranstalter sehr durchwachsene Bedingungen befürchten ließen.

Die größte Herausforderung stellt der Übergang am Kapruner Törl da. Für diese Jahreszeit liegt heuer enorm viel Schnee am Kapruner Törl. Im weiteren Verlauf geht es über sehr technische Singletrails gespickt mit Platten, großen Felsen und jede Menge Geröll. Auch die Übergänge über die teilweise extrem viel Wasser führenden Schmelzbäche werden für jeden Athleten sehr spannend. Schneesituation Kapruner Törl: das Schneefeld ist in etwa 3-4 mal so lang als im letzten Jahr. Hier werden Läufer die im Schnee gut zurecht kommen sehr viel Zeit gewinnen. Ich freue mich riesig auf diese Passage.
Technischer Downhill zum Mooserboden: hier sollte man, auch wenn es noch so großen Spass macht, vernünftig mit seinen Kräften umgehen. Verschießt man hier sein ganzes Pulver, werden die Kilometer entlang der Stausseen zur Qual. Entlang der Stausseen: in diesen Streckenabschnitten liegt enorm viel Zeit. In einem ständigen auf und ab geht es ca. 10 Kilometer auf super schönen Singletrails in Richtung Kaprun. Allgemein zum Downhill vom Kapruner Törl nach Kaprun: in diesem ca. 15 Kilometer lange Abschnitt müssen 1700hm Downhill bewältigt werden. Jedoch findet dieser in drei Stufen statt. Zwischendurch gibt es immer wieder 3-4 Kilometer lange kupierte Trails, welche Laufstarken Läufern sehr zu Gute kommen.


Höhenprofil

Außerdem tue ich mich auf solchen mittleren Distanzen mit der Renneinteilung nicht so leicht: zu sehr mit Handbremse und schon bin ich ein, zwei Stunden länger unterwegs. Zu flott zu Beginn und ein Drama am Ende. Meine Taktik ist daher sehr einfach: Mit dem Puls immer um die 150 laufen und nie über 165 kommen und bei den Verpfelgungen nicht viel Zeit vegeuden. Am Vorabend wurde dann noch, wegen drohender Unwettergefahr ab Mittag entschieden, den Start um eine Stunde vor zu verlegen, um möglichst viele LäuferInnen noch zumindest über das Kapruner Törl zu bekommen. Das Startprozedere (Briefing, Moderation) wird somit auf das Notwendigst gekürzt, um uns möglichst rasch auf die Strecke zu bringen.

Um 6:20 Uhr ging´s dann letztendlich los. Für die ersten zehn Kilometer mit 450 Hm auf auf technisch wirklich sehr einfachen Wegen und Trails, welche sogar mit einem Cravcelbike problemlos zu fahren wären, benötige ich 56 Minuten, ehe es zum „Eingang“ des Nationalparks geht. Die Labe beim Kalser Tauernhaus lasse ich links stehen und versuche, einen guten Rythmus zu finden. Es wird steiler und technischer. 700 Hm geht es durchgehend bergauf, ehe es Richtung Rudolfshütte und somit zur ersten kurzen Pause geht. Dort fülle ich meine zwei Trinkfläschen, ziehe meine Schuhbänder etwas nach und mache mich flott weiter, hinauf auf´s Kapruner Törl. Die Pause kommt mir recht kurz vor, dauerte dann aber doch knappe vier Minuten.

Aufstieg zum Kalser Tauern Haus

Beim schmalen Trail hinauf stecke ich leider etwas im Stau, weil ich auf die langsameren LäuferInnen des 30 km-Bewerbes aufgelaufen bin. Aber irgendwie fühlt sich das gemäßigtere Tempo zu diesem Zeitpunkt ohnedies richtig an. Vom Kapruner Törl runter geht es über ein langes Schneefeld: teilweise sehr anstrengend, dafür aber auch wieder lustig, weil es für viele hundert Meter wie beim einer Bobfahrt zugeht.

Abstieg Kapruner Törl: viele der (in diesem Teil noch langsameren) 30km-Läuferinnen stoßen hier an ihre technischen Grenzen
runter geht´s über weite Strecken am Hintern (c facebook/grossglocknerut)
Alles gut: Labe beim Kapruner Hochgebirgsstausee

Bei den Hochgebirsstauseen vorbei bin ich richtig guter Dinge: das Wetter hat zwar zugezogen, schien aber für die nächsten zwei Stunden stabil genug zu sein und es wurde zwar für ein paar km noch recht technisch, dafür ab Kesselfallhaus umso leichter. Es geht mit rund 5:00/km Richtung Ort, ehe ich die letzen fünf Km mit einem Ungar das Tempo auf unter 4:30/km erhöhe und mit ihm gemeinsam nach 6:45:48 durchs Ziel laufe. Von 483 TeilnehmerInnen wurde ich Gesamt 53. bzw. in meiner Klasse 13. bzw. 7. Österreicher.

Am Rande: eine halbe Stunde nach meinem Zieleinlauf begann es zu regnen. Schlussendlich wurde der Bewerb kurz vor 15 Uhr wegen Hagel und Gewitter ab der Rudolfshütte abgebrochen…

Auch wenn der Sieger über die Ultra-Distanz, Florian Grasel, 62 km mehr in den Beinen hatte, bin ich stolz, den gemeinsamen Abschnitt in der selben Zeit bewältigt zu haben. Immerhin zählt er zu den weltbesten Ultra-Läufern…

mit dem Sieger über die Ultra-Distanz Florian Grasel: gleiches Tempo über mehr als die doppelte Strecke: Respekt!

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