Hochkönigman

Posted by alexandermai in Archiv, Bericht

Der Hochkönigman zählt mit seinen 84 km und 4.900 Hm zur Klasse der „Endurance Trails“, wo im Rahmen dieser Veranstaltung auch zwei kürzere Varianten („Speed-Trail“ mit 23,5 km mit 1.400 Hm sowie „Marathon-Trail“ mit 47 km mit 2.750 Hm) angeboten werden. Über die lange Distanz wurden gleichzeitig auch die Österreichischen Meisterschaften ausgetragen; dementsprechend stark war auch das TeilnehmerInnenfeld, was mich an diesem Tag nur wenig berührte, weil mein Ziel nach der Aufgabe im Vorjahr beim GGUT es lediglich war, erstmal zu finishen, einen ordentlichen Lauf hinzulegen und dabei möglichst viel positive Eindrücke zu gewinnen. Angereist bin ich mit meinem Lauffreund Christian, welcher sich vornahm beim Speed-Trail in der Klasse „U50″ vorne mitzumischen (und das hat er mit dem zweiten Platz bzw. Gesamt 9. auch durchgezogen).

Zwei Stunden vor dem Start um Mitternacht hat es, teilweise auch stark, geregnet: Danach, also während des ganzen Bewerbes, sollte es den ganzen Tag über trocken bleiben. Bis am frühen Nachmittag sogar sonnig. Gleich zu Beginn ging es recht knackig 300 Hm bergauf und teilweise über nasse Wurzeln, sehr rutschig zur ersten Versorgungsstelle bei km 12 wieder runter. Teilweise war es durch die hängenden Wolken noch sehr feucht und durch die Brechung des Lichtes der Stirnlampe auch sehr unangenehm was die Sicht betrifft (aber das ist bei solchen Bewerben wirklich jammern auf sehr hohem Niveau). Beim nächsten Anstieg über die Pichlalm zum Arthurhaus auf 1.500m lief ich dem Sonnenaufgang entgegen und war bei Halbzeit des Aufstieges über der Wolkendecke. Der ganze Abschnitt – sowie auch der Abstieg hinunter nach Mühlbach – war technisch sehr einfach. Ich konnte meine Beine teilweise richtig locker und sparsam laufen lassen. Ich war noch recht frisch und nahm mir vor, beim für mich ersten Kriterium, dem Aufstieg auf den Schneeberg (1.936m), es betont behutsam anzugehen. Ich war erst bei km 40 – es wäre also viel zu früh, wenn das Lamperl der Tankuhr angehen würde. Oben angekommen, die Sonne kleschte voll herunter und es war für mich unangenehm warm, fühlte ich mich trotzdem noch immer sehr fit und war, überraschend früh zuversichtlich, den Bewerb gut zu beenden. Der Abstieg nach Dienten war technisch teilweise schon etwas anspruchsvoller. Im letzen Drittel davon bin ich auch etwas von der Strecke abgekommen, bin dadurch am falschen Ende von Dienten runtergekommen und hatte dadurch eine kleine Ehrenrunde von rund drei km. In Dienten war eine sehr große Versorgungsstelle, wo auch meine Dropbox parat gelegen ist. Ich wechselte meine Socken und Shirt, füllte meine Fläschchen mit meiner eigenen Nahrung auf und machte mich nach knappen zehn Minuten Pause weiter zum für mich zweiten Kriterium: dem Anstieg Richtung Statzer Haus auf 2.117m.

Die erste Hälfte dieses Anstieges ging vergleichsweise locker was die Beine und auch den Kopf etrifft. Dann kam mir jeder weitere Bezugspunkt wie eine Marathondistanz vor: beim Blick vom Hochkasern auf 2.017 zum Statzer Haus bekam ich so einen richtigen Knax in mein Gemüt. Ich verglich mehrmals das Höhenprofil weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass es sich tatsächlich um diese Entfernung handelte… Beim Statzer Haus angekommen war ich schon sehr gezeichnet. Mir war aber auch klar, dass es von nun an nur mehr der guten Ordnung halber weiter geht und nicht an der Kondition scheitern würde. Unterschätzt habe ich die vielen kleinen Anstiege zur Schwalbenwand, welche noch ordentlich Kraft gekostet haben. Von dort weg aber ging es recht flott und mit einem verhältnismäßig lockeren Schritt Richtung Ziel in Maria Alm, welche mir auch durch die Begleitung zweier weiterer Läufer sehr kurzweilig vorkam. Kurz vor der Ortstafel von Maria Alm hat uns noch eine Familie mit Radler versorgt :-), bevor ich dann schlussendlich nach 16:28:32 im Ziel war.

Der Lauf war von A bis Z auf sehr hohem Niveau organisiert, die Strecke ist, obwohl Straßen die große Ausnahme sind, bis auf ein paar Stellen technisch wenig anspruchsvoll und das Panorama ein Wahnsinn. Ich kann diesen Lauf uneingeschränkt empfehlen, wenn einem ein Ultra mit deutlich über 100 km zu lange ist, wer nicht unbedingt im hochalpinen Gelände auf allen vieren unterwegs sein will und wer auf einen von den Trails her hohen Laufanteil steht.

Sonnenaufgang beim Aufstieg auf der Pichlalm

Hochkasern gleich erledigt

Blick vom Hochkasern zum Statzer Haus (oberhalb des Schneefeldes am höchsten Punkt)

Zieleinlauf :-)))