Großglockner Ultra-Trail

Posted by alexandermai in Archiv, Bericht

Vorweg: Das der Großglockner Ultra-Trail (kurz „GGUT“) kein Ponyhofrundgangerl sein wird, wusste ich schon im Vorfeld. Mit seinen 110km bzw. 6.500Hm spielt er ohnedies in der Oberliga mit. Lange und steile Aufstiege, Schneefelder und lange Strecken weit über 2.500m machen ihn aber so richtig schwer. Dementsprechend groß war mein Respekt und auch meine Vorbereitungen.

Die Veranstaltung machte mir im Vorfeld – vom Internetauftritt bis zur Starterbesprechung – einen sehr wertigen und professionellen Eindruck. Die Wettervorhersage war bis zum Vortag sehr durchwachsen, wurde dann aber stündlich besser und der Regen sollte den ganzen Tag bis in die Nacht hinein nicht eintreten.

Die ersten zwei Stunden empfand ich den Lauf – obwohl technisch wenig anspruchsvoll – als sehr anstrengend. Irgendwie ging immer recht steil bergauf bzw. war in den Passagen dazwischen nur wenig Zeit zu regenerieren. Beim Abstieg nach Fusch ging es sehr rutschig zu und irgendwie lief es hier schon nicht so richtig nach Plan. Ich hatte zwar einen lockeren Schritt und auch ein gutes Tempo, empfand aber diesen ersten Anstieg schon als sehr anstrengend. Und das, obwohl beim ersten Halt in Ferleiten nicht einmal 20km mit rund guten 1.00hm am Tacho waren. Den Aufstieg auf die Pfandlscharte empfand ich als sehr zermürbend. Ich war zwar subjektiv flott unterwegs, trotzdem ging bei den Kilometern nix weiter; immer wieder sehr steile Passagen und längere Schneefelder. Wenigstens war der Sonnenaufgang bei Halbzeit des Aufstieges ein einmaliges Erlebnis. Während des Abstieges zum Glocknerhaus (in den Beinen hatte ich knapp die Hälfte der Höhenmeter) merkte ich schon, dass ich vergleichsweise viel leerer war als sonst üblich und gönnte mir eine ausgiebigere Verpflegung, um den weiteren Anstieg auf die Pfortscharte möglichst gut bewältigen zu können. Am Höhenprofil schaut dieser Anstieg wenig spektakulär aus, umso zermürbender war es, dass ich bis zur Pfoartscharte (mit 2.225m der höchste Punkt) weitere 2 1/2 Stunden brauchte. Der gemeinsame Abstieg mit zwei anderen Läufern ging so halbwegs, bis wir merkten, dass wir am falschen Weg waren. Es waren um die 800hm – oder umgerechnet zwei Stunden – welche wir wieder retour laufen mussten (Irgendwie übersahen wir das eine Fähnchen und liefen den Trail immer weiter, bis wir bei einer weiteren Gabelung merkten, dass dort keine Beschilderung war. Natürlich geht dieser Fehler auf unser eigenes Konto…).

Mit der Pflichtausrüstung inkl. der vollen Trinkblase und Nahrung blieb knapp unter drei Kilo.

Irgendwo zwischen der Salmhütte und der Hälfte des Abstieges nach Kals entschloss ich mich, den Lauf bei der großen Labe in Kals zu beenden. Bis zur Pfoartscharte war ich noch guter Dinge, den Lauf (zwar ohne Reserven aber immerhin) eher finishen zu können als aufgeben zu müssen. Für eine Extraschleife wäre aber ziemlich sicher zu wenig an Leistung vorhanden gewesen bzw. war es nicht meine Absicht, einen Wandertag daraus zu machen und den restlichen fertig zu gehen (ausgegangen wäre es sich auf jeden Fall, da ich in Kals über fünf Stunden unter der Cut-Off-zeit war). Auch im Nachhinein ist es für mich die richtige Entscheidung gewesen. Läufe dieser Art sind eben kein Sparziergang und das macht für mich auch diesen Reiz aus, weil es eben nicht selbstverständlich ist, dass man den Lauf nach der Ziellinie beendet :-)

Nach dem Sonnenaufgang am Glockner

guter Dinge kurz vor dem Start

Pfoartscharte – gekünsteltes lachen ;-)